Die Insulin-like growth factors (IGF)-I und –II spielen eine Schlüsselrolle bei der Regulation von Proliferation und Differenzierung verschiedener Gewebe. IGF-I ist mit Somatomedin C identisch und hat ein Molekulargewicht von 7469 Dalton. Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die IGF-II Expression im gesunden Menschen sind das Wachstumshormon und die Ernährung. Die IGF-II Synthese in spezifischen Geweben wird durch eine Vielzahl von Hormonen und anderen Peptid-Wachstumsfaktoren beeinflusst. Im Gegensatz zu vielen anderen Peptidhormonen sind IGFs mit hoher Affinität an spezifische Bindungsproteine (IGFBP) gebunden, neben den IGFBP1-6 auch an IGFBP-related Proteins. Sie binden entweder IGF-I und IGF-II mit ähnlicher Affinität oder weisen eine Präferenz für IGF-II auf. Die direkte Bestimmung von IGF-II in unbehandelten Serumproben führt zu falschen Ergebnissen, da auf Grund der extrem langsamen Dissoziation des IGF/IGFBP Komplexes während der Assay-Inkubationszeit nur ein Teil des vorhandenen IGF-II an die Antikörper bindet und damit detektiert werden kann.
Der vorliegende Assay ist einfach und schnell durchzuführen und weist keine Abhängigkeit von der IGFBP-Konzentration auf: Er basiert auf der hohen Spezifität der Antikörper für IGF-II. Diese ermöglicht es, durch die Ansäuerung der Probe natives IGF-II aus dem Bindungskomplex zu lösen und die freigewordenen Bindungsproteine mit IGF-I zu komplexieren, so dass das IGF-II aus der Probe frei in der Lösung vorliegt.
Der Assay eignet sich für wissenschaftliche Untersuchungen im Rahmen neonataler Hypertrophie oder Hypotrophie (IGF-II ist ein letaler Wachstumsfaktor) und Malignomerkrankungen (IGF-II ist ein onkogener Wachstumsfaktor).
IGF-II ist geeignet zur Differentialdiagnostik bei verschiedenen maligenen Erkrankungen. E.g. kann an Hand von IGF-II zwischen adrenocorticalen Tumoren und Adenomen differenziert werden. Auch beim Prostatakarzinom kann durch die Messung von IGF-II im Serum das Tumorstaging sowie die Differenzierung zwischen Karzinom und Hyperplasie verbessert werden. Publikationen aus der Neurologie zeigen, dass das IGF-System auch bei der Entwicklung vom Morbus Alzheimer und Parkinson von Bedeutung ist. |